Fastenzeit, sieben Wochen vor Ostern. Als Kinder haben wir keine Süßigkeiten gegessen (nur am Wochenende), später wurden Fastenkuren und Diäten im Frühjahr beliebt. Und heute? Ich kenne Menschen, die Fernsehfasten machen, Jammerfasten und anderes mehr. Ich muss gestehen, dass ich nicht faste. Obwohl mir kürzlich der Gedanke kam, Autofasten zu praktizieren. Und das kam so.
Ich lese gerade das Buch „Wie schön wir waren“ von Imbolo Mbue. Die Autorin ist in Kamerun aufgewachsen und lebt jetzt in New York. In dem (fiktiven) Roman beschreibt sie, wie ein amerikanischer Ölkonzern in der Gier nach Öl bzw. Profit ein afrikanisches Dorf auslöscht, trotz verzweifelten, jahrelangen Widerstands der Einheimischen. Die Trauer der Überlebenden der gesundheitlichen Schäden der Ölförderung und der Massaker ist überwältigend.
Öl für unsere Autos, bislang habe ich mich nicht gefragt, unter welchen Umständen es gefördert wird. Ich fahre Auto und kann es mir auf dem Land (noch) nicht ohne diese Möglichkeit, die Entfernungen komfortabel und schnell zu bewältigen, vorstellen. Zur nächsten Bushaltestelle müsste ich zwei Kilometer bergab (und auf dem Rückweg bergauf) laufen. Ob ich das noch kann in meinem Alter?
Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich an die Zerstörung denke, die meine/unsere Lebensweise anderswo hervorruft. Doch ich möchte kein schlechtes Gewissen als Ersatz für reale Veränderungen mit mir herumtragen. Ich beginne, mir vorzustellen, wie ein Leben ohne Auto aussehen kann.